Lernprozess­begleitung

&

Lern­organisation

ein Kompetenzzentrum der KPH Graz

Wir gehen davon aus, dass es bei komplexen Lerninhalten wie Lesen, Rechtschreiben oder Mathematik im Aneignungsprozess auf allen Entwicklungsstufen Kerninhalte gibt, deren sichere Beherrschung für eine tragfähige Weiterentwicklung unerlässlich sind. Dieser Ansatz deckt sich mit dem von Bloom 1971 entwickelten Konzept des „Mastery Learning“ (Mahlau et al., 2016, S.174). Abhängig vom Ausmaß des Lernproblems ergeben sich qualitativ unterschiedliche Anforderungen an eine wirksame Intervention.

Ein „hochwertiger Klassenunterricht“ erfordert einfache, ökonomische Lernstanderhebungsinstrumente (Gruppenscreenings) für die Lernprozessbegleitung der gesamten Klasse und bedarf einer entsprechenden lernorganisatorischen Umsetzung. Das zentrale Kriterium ist hier der enorm unterschiedliche Zeitbedarf von leistungsstarken und leistungsschwächeren Kindern.

Zeigt diese zeitliche Erweiterung keine Wirkung, so ist eine genauere Abklärung mit Einzelscreenings erforderlich und bedarf einer intensiveren Begleitung in „Kleingruppen oder kurzfristigen Einzelförderungen“. Hier bedarf es zusätzlicher personeller Ressourcen mit entsprechender fachlicher Expertise. Der in der Regel erforderliche Zeitbedarf kann hier nur mehr teilweise mit einem integrativen Ansatz gelöst werden. Additiv gibt es zwei Möglichkeiten

a) die tägliche Unterrichtszeit wird für diese Kinder verlängert

b) eine Verlängerung der Schulzeit insgesamt für diese Kinder

Methodisch benötigen diese Kinder direkte Instruktionen, ein langes begleitendes Üben mit sofortigen Korrekturen und Rückmeldungen bis hin zu einem selbständigen Automatisieren und eine verlässliche, kontinuierliche Beziehung zur Lehrperson (vgl. Hartke, 2010, S. 43). Die Strukturen für Interventionen dieser Art sind in Österreich erst im Entstehen.